Freitag, 6. Oktober 2017

Vantablack

Die Zähne an Sorgen abgebrochen,
über Jahre das 'Vielleicht' genährt,
ein vages "Was wäre, wenn"
verdirbt die Milch im Kühlschrank
wie die Liebe mit der Zukunft.
Im verwinkelsten Büroschrank
jault sie lautstark auf.

Alles, was ich will,
ist Sicherheit.
Ein Haus, dessen Dach nicht
bei jeder Brise zu wackeln beginnt.
Damit ich den Wind nicht fürchten muss,
mich vor ihm verstecken versuche -
anstelle ihn mit offenen Armen
zu empfangen.
Ich sehne mich nach Wänden,
die stark genug sind einen
Hurrikan aus Zweifeln und Neurosen
stand zu halten,
die Superzellengewitter aus Misstrauen.
Ich brauche ein Fundament,
dass nicht bei neuen Fragen und
Selbsthinterfragungen,
zu bröckelnd anfängt.

Schwarz umgibt mich.
Alles, was ich möchte,
ist Brot in meinem Mund,
welches ich herunter schlucken kann,
ohne überzeugt zu sein, dass
es vorher zu Asche zerfällt.

Womöglich würge ich auch schon
und
ersticke - letztendlich.

Freitag, 29. September 2017

"Aber er kennt einen Teil von mir", spricht die Seele.

Es gibt immer einen Grund zum Feiern; und wenn man prinzipiell keinen hat, erfindet man eben einen. Das ist womöglich der einzige Grund, warum ich hier sitze: In dieser viel zu lauten Bar, gefüllt mit lärmenden Menschen, die wiederum mit schrillen Cocktails und Drinks gefüllt sind. Der Kopf beginnt zu brummen, dabei sind wir gerade einmal 20 Minuten hier. Jemand hier an diesem Tisch wird wohl Geburtstag haben, oder einen furchtbar wichtigen Jahrestag, oder hat einen Ausbildungs-bezogenen Fortschritt erreicht... Wie bin ich hier her gekommen? Ich kenne nicht einmal seinen/ihren Namen.

In einem Meer aus Gelächter und verzogenen Mienen sehe ich plötzlich ihn. Umgeben von so viel Fremde, die ich niemals zuvor sah und niemals wieder sehen werden, sehe ich ausgerechnet ihn. Mein Herz rutscht mir in die Hose.
Früher fand ich Aussagen, die rutschen und Hosen betreffen, recht amüsant - bis ich erfahren habe, was es eigentlich bedeutet. Man muss wohl immer erst erfahren, um zu verstehen. Mit meinem Körper im Autopilot-Modus kann ich mir nicht helfen, und ständig über meine Schulter zu schauen. Zwei Tische weiter sitzt er mit seiner neuen/alten Freundin, das bedeutet die Frau, mit der er vorher in einer Beziehung stand und nachher auch. Insgeheim bin ich froh darüber, dass er mich (angenommen) nicht sieht, ansonsten wäre ich auch dieses Mal wieder nur das Lächeln zwischendurch, der Menschen dazwischen.
Ein paar Minuten braucht es, damit ich meine Gedanken sortieren kann und meine Emotionen weitersgehend in den Griff bekomme. Als der Schock vorüber war, sank ein Stachel Traurigkeit in meine Seele.

Ist es nicht süßlich ironisch wie das Leben spielt? Immer genau dann, wenn man denkt, man wäre über diesen Schmerz hinweg, rennt man schnurstracks genau in ihn hinein. Es rüttelt am Herzen und wühlt all das Vergrabene aus der Mitter wieder auf.
Ich denke, sein Ablick hat mich so aus der Bahn geworfen, weil ich keineswegs darauf vorbereitet war. Mir kam die Möglichkeit nicht für eine Millisekunde in den Sinn. Immerhin ist die Welt groß und in dieser Stadt leben 1,4 Millionen Menschen. Die Chancen waren minimal; und doch an diesem Abend, in dieser Bar sitzen sie zwei Tische neben meinen.
Das Dilemma an meiner Situation besteht darin, dass er niemals ein Fremder für mich sein kann. Er ist einer der einzigen Personen, die einige meiner Geheimnisse kennt; er weiß um meine Macken und weiß wie ich in Stresssituationen reagiere. Niemals hat er mich ausgelacht, obwohl er oft einen Grund gehabt hätte. Noch vor einem Jahr hatten wir Herzen in den Augen, nicht in der Hose. Jetzt, ja und jetzt, stierre ich sie von sicherer Entfernung an.

Herzschmerz ist real und kennt kein Limit, damit meine ich auch Zeitlimit. Und wenn sich das nicht wie der Vorgarten der Hölle anfühlt, dann weiß ich es auch nicht mehr. Vergessen würde ich ihn gerne. Ihn streichen aus jeglicher Erinnerung. "Aber er kennt einen Teil von mir", spricht die Seele und mir fällt nicht ein, was ich darauf erwidern kann...

Freitag, 15. September 2017

Freitag, 1. September 2017

Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer


Schließ' mich an
und logg' dich ein,
zusammen werden wir
recycled sein.
Ein neues Fahrrad
für ein einsames Kind,
in Gemeinschaft ein Lächeln,
weil wir allein verloren sind.
[Du bist nutzlos,
ich nur der Reflektor.]



Die Familie sagt schon viel und nichts,
schweigend drängt dein Blick ins Leere.
Du friest in Flammen, brennst im Eis -
bis ich morgens-abends widerkehre.
[Schüttel' mich aus meinem winzigen
Gefängnis aus Glas.]

Mit dem Kopf läufst du durch Schlamm,
Gedanken sind klebriger Matsch im Hintergrund.
Rennst zu chemisch gefärbten Blumenwiesen,
inhalierst den Geruch wie ein vergessener Hund.
[Verbrennendes Kupfer.
Phosphor verkohlt dir die Haut.]





Pillen filtern heraus Liebe und auch Hass,
man arbeitete sehr hart an deinen Schmerzen.
Ausgetauscht mit einer Quartzuhr im All:
Mit mir tickst und tickst du mit schwerem Herzen.
[Fühlst absolut gar nichts mehr.
wenigstens sind wir stabil in unser kommunikativen Qualität,
weniger in der Identität, wiederrum sehr in der
Fluktuation.]